Das Apfelkomplott – 64

Das war es auch mit den Gastbeiträgen. Während sich Daniel noch freiwillig meldete konnten wir Piet nur dafür gewinnen, wenn wir einen Tag pause machen. Und da dar Himmel eh nicht so berauschend aussah und der Wind auf Süden ein vorankommen heute eher anstrengend gemacht hätte einigten wir uns auf einen Tag an dieser mückenverseuchten Stelle. 

Nur langsam krochen die verquollenen Gesichter aus den Zelten da ja klar war, dass wir bleiben. Die Sonne schien und es war wirklich windig. So konnten wir alle draußen herumgammeln um die Feuerstelle und hatten auch mehr Platz als auf Kollege Schnürfloß. Max musste selbstredend seine backtalente noch einmal auf die Probe stellen und entschied sich bei einem Blick in die gefüllten Vorratsboxenfür einen Apfelkuchen.

In den Tagen die wir nun schon unterwegs sind, hat man so einige Taktiken entwickelt um die Gruppe zu organisieren und zu steuern.
Fragen werden grundsätzlich ignoriert. Fragt man wer Feuerholz macht oder Äpfel schneidet reagiert keiner. Kein auf schauen von den Büchern. Kein heraus ziehen des Kopfes aus der Schokoladenkiste. Dabei ist gerade das Feuerholz so essentiell für die Zubereitung unserer Mahlzeiten.
Es brauchte also ein Codewort um Aufmerksamkeit zu erzielen. „Kuchen“ oder „Schokolade“ haben sich als wirksam heraus gestellt.
„Wer wäscht heute ab?“ funktioniert nicht.
„KUCHEN! Wer wäscht heute ab?“ führt zumindest zu einem Augenkontakt und damit einhergehender eventueller Ausführung der gemeinschaftlichen Aufgaben.
Dies verhält sich auch so mit „KUCHEN! Alle man an die Paddel“ oder „SCHOKOLADE! Wir brauchen Feuerholz.“ Hilft auch das nicht dann hilft nur noch die Drohung damit das Max keinen Kuchen backen wird. Sehr hart aber anders geht es manchmal nicht.

Es fanden sich dann aber Freiwillige zum Schneiden der Äpfel Max kümmerte sich in der Zeit um den Teig und einen Pudding. Beim ausführen des Spatens in den Wald brachten manche dann auch Holz mit und so konnte es los gehen.
Alles zusammen in einem Topf geschichtet kam der Kuchen in unseren Ofen. Nun hieß es das Feuer bei Laune halten und ab und an Wasser in den Ofen kippen. Das mit dem Feuer stellte sich als leichter heraus als bei manchen Menschen und das Wasser war auch sehr genügsam.

4 Stunden und einige Kaffees später ging es mit Oberhitze an die Bräunung der Streusel des Kuchens. Er sah umwerfend aus und kühlte nun ab, während äußerst hektisch am Abendbrot gearbeitet wurde. Geht es ums essen werden auch die ganz trägen Geister munter und packen mit an. Vom ganzen herumliegen in der Sonne oder im Zelt waren wir aber auch sehr hungrig. Gefüllt mit Couscous und Kaffee ging es dann auch an den Kuchen.

Erster Schnitt. Gebannt starren alle das Messer an wie es durch die Streusel bricht. Dann in Max Gesicht. Es sieht nicht zufrieden aus. Es ist wohl eher ein Kompott geworden. Apfelmus mit Streusel im Teigmantel. Ein Apfelkomplott! Nicht der erhoffte Kuchen aber unglaublich, das wir so etwas hier in der Natur kredenzt bekommen.

War der Abend gestern war noch geprägt von diesen zart gebauten schlanken Insekten mit fadenförmigen Fühlern und langen dünnen Beinchen und ihren brachialen Saug- und Stechwerkzeugen sowie den besonders fiesen kleineren „Knot“ -das sind klitzekleine fliegenartige Wesen, welche einen hinterhältig piesacken und selbst durch das Mückennetz kommen um sich am Blut zu laben- war heute nichts mehr davon zu merken. Es muss am Wind gelegen haben. Und an der Sonne, welche tagsüber schien. Aber im Wald hielten sie sich weiterhin versteckt. Mit mygga befaffnet, welches großzügig auf die kurzzeitig freigelegten Stellen aufgetragen wurde ließ sich aber auch dieses Geschäft stichfrei abschließen.

Morgen soll das Wetter besser werden und wir werden in Gunnerud am Abbauplatz ankommen und unser lieb gewonnenes Floß entknoten. Wie es dann weiter geht werden wir sehen. Das klärt sich dann. Wir sind ja nicht auf der Flucht und haben alle Zeit der Welt.

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