71° 10′ 21“ Nord – 39

„Hier bin ich am Nordkap, am äußersten Ende der Finnmark, und ich kann genauso gut sagen am äußersten Ende der Welt, da es weiter nördlich keinen von Menschen bewohnten Ort gibt. Mein Wissensdurst ist jetzt gelöscht und ich werde nach Dänemark, und — wenn Gott dies will — in mein Heimatland zurückkehren.“ Francesco Negri, Pfarrer und Wissenschaftler aus Italien.

Wir sind nun schon seit über 24 Stunden auf dem Dach Europas, dem äußersten Ende der Finnmark. Wir haben schon viel gesehen auf unserer Reise und können nun mit dem Wissen am äußersten Ende der Welt gewesen zu sein den Heimweg antreten. Wir lassen die Weite des Polarmeeres auf uns wirken. Die Nacht war kurz. Erst ab 3 Uhr war die Plattform hier leer und wir hatten den Globus für uns allein. Konnten noch ein paar Fotos machen und dann die Zelte direkt am Fuße des Globus aufstellen. Wir waren gespannt, was uns zuerst wecken würde. Ein aufgebrachter Mitarbeiter der Souvenierhauses oder ein Rudel Deutscher, welches um die Zelte tiegert.

Es war das Rudel um 6:30 Uhr. Also schnell hoch, Zelte abbauen und erst einmal klar kommen, was hier gerade passiert. So viele Menschen am frühen Morgen sind uns ja nichts. Aus sicherer Entfernung machten wir unser Frühstück und sahen zu wie langsam alle verschwanden. Gestern haben wir schon kurz in den Kinosaal gesehen und die bequemen Sessel bewundert. Wir schauten uns also erst einmal den Panoramafilm an. Den Empfahl uns ja schon am ersten Tag unserer Reise ein Mann, als wir das erste Mal unsere Spaghetti kochten und der Film war wirklich gut! 15 min lang Impressionen des Kapps zu allen Jahreszeiten. Zu gut um zu schlafen. Aber es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir hier drin sind.

Zum Glück gibt es ja noch die „Höhle des Lichtes“ Ein Lichtspiel unterlegt mit Musik, welches die 4 Jahreszeiten hier oben durchspielt. Es war zum einschlafen perfekt und es kamen auch lange lange keine Busse mehr an. Nach einem Nickerchen hatten wir die Felsen wieder fast für uns allein. Nach kurzen Spaziergang in der Sonne ran an die Arbeit. Immerhin haben wir hier Strom und Internet! Testberichte schreiben, Blog warten und optimieren und die Weiterfahrt planen. Immer wieder rollten Lawinen von Menschen über den felsigen Boden und zogen wieder ab. Wie Ebbe und Flut kamen und gingen Sie. Wir haben den Film mittlerweile 4 mal gesehen. Er ist unterlegt mit einem tollen Soundtrack und schon beim 2ten mal fiel das einschlafen nicht schwer. Ein kurzer Powernap von jeweils 15 min. Das Zentrum hier oben ist wirklich gelungen. Weitläufig und schön. Man darf sich nur nicht von den Menschen stressen lassen. Mit denen hatten wir aber den ein oder anderen netten Schnack.

Die Abendbrotzeit war nun wirklich wieder richtig lustig! Als es gerade ruhig wird haben wir uns am Fuße des Globus niedergelassen, kochen uns unsere Nudeln und genießen die Sonne. Von den Massen an Touristen scheinen ca 70% deutsche Kreuzfahrer zu sein. Sie scheinen schon einen Großteil der Tour hinter sich zu haben. Es herrscht ein rauer Ton untereinander. Ständig steht jemand im Bild oder schaut doof oder schaut in die falsche Kamera. Hier spielen sich Szenen ab, welche besser sind als jede Soap. Mann und Frau fauchen sich an. Frau und Frau auch. Mutter und Sohn. Vater und Tochter. Oma und Fremder.
Und wir sitzen mittendrin und kommen aus dem lachen kaum noch raus. Die meisten merken schnell, dass es lächerlich ist und lachen mit uns. Man könnte meinen, dass wir hier die größte Attraktion sind. Ein paar Asiaten setzen sich zu uns und lassen sich fotografieren. Viele Deutsche fotografieren uns nur aus sicherem Abstand. Wir sehen aber auch langsam fies aus. Aber mein Vater meinte immer im Urlaub müsse man sich nicht rasieren. Ich glaube aber, dass wir nie so lange Urlaube machten…

PLAN:
Mit dem Fahrrad vom Nordkapp nach Hammerfest. Mit der Fähre von Hammerfest auf die Lofoten. Viele meinten wir sollen unbedingt ein Stück mit der Fähre fahren. Es sei ein unvergessliches Erlebnis.
Dort angekommen dann quer mit dem Fahrrad durch den wohl beeindrukensten Teil Norwegens.
Dann mit einer Fähre runter von den Lofoten nach Bodø und dann mal schauen, wie wir dann Mitte Juli zu unseren Freunden an den Klarälven kommen um 2 wochen mit ihnen Floß und Kanu zu fahren. Je nach Zeit, die wir noch haben eine Mischung aus Bus, Bahn und Fahrrad.

2 Comments on “71° 10′ 21“ Nord – 39

  1. Großartig! Ihr habt es geschafft! Glückwunsch! Doch zum lange Verweilen sieht euer Zeltplatz nicht aus. Viel Spaß weiterhin!
    Herzliche Grüße,
    Susana

  2. Nun seit ihr schon auf dem Rückweg ich gratuliere zu euern Erfolg und wünsche einen ebenso schönen und ereignisreichen Heimweg.Herzliche Grüße Oma!

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