Tag 2 -59
Vorgestern begann für uns eine neue Zeitrechnung mit dem Eintreffen der 5 köpfigen Nachhut. Der Tag Null. Der 59 Tage andauernde Trott ist unterbrochen und wir sind nicht mehr allein.
Und ich brauche noch ein bisschen, bis ich mich wieder an so viel Trubel gewöhnt habe.
Der abendliche Rundgang durchs Lager sobald alle schlafen und nur das laute schnarchen vereinzelte Mitstreiter durch die Wälder dringtist nun ein wenig länger geworden. Mehr Kaffeebecher müssen am Morgen gefüllt werden als bisher und statt einem Apfel und einer Banane habe ich heute morgen nach 3 aufgehört zu zählen. 7 hungrige Mäuler wollen gestopft werden. Der eine isst das nicht, der andere morgens gar nicht bekommt dafür später Hunger und der Nächste muss erst einmal aufs Leben klar kommen. Dann muss Feuerholz für den Hexenkessel gemacht werden und ständig hängt eine Angel im Baum. Es sind so viele Menschen, mit denen mal so viel zu erzählen hat. Und dann diese Mücken!
Und ich als bekennender Morgenmufflon, der ungern vor dem ersten Kaffee redet bin mitten drin und denke noch immer darüber nach, wie ich die Zeitplanung um ganze 24 Stunden durcheinander wirbeln konnte. Komisch Herr Zickert, äußerst komisch!
Die Nacht war interessant. Gerade machte Max die Tür des Mehrfamilienhauses zu als Marie fragte, ob wir denken dass es regnen würde. Das „eventuell“ blieb Max im Halse stecken, denn es begann just in diesem Moment ein starker Regenschauer, welcher uns schnell in die Nachtlager scheuchte. Ich wollte diese laue Sommernacht in der Biwakhütte verbringen, welche mich gestern schon so anlächelte, mir aber brutal in den Rücken viel als Schlafsack und Isomatte ausgebreitet waren und der erste Tropfen in meinen Nacken viel. Ein Blick in die andere Ecke des Unterstandes offenbarte dann den Sturzbach. Das Dach glich einem Sieb.
Mist
Also auf zum Lager. Zelt greifen und schnell im Regen aufbauen und schlafen.
Der Morgen war dafür trocken und alle hofften, dass Farzad der alte Angelprofi sein Können von gestern erneut unter Beweis stellen würde. Pustekuchen… Kein Fisch. Deshalb verstärkten wir unsere Vorräte für die nächsten Tage auf Wasser mit einem Einkauf in Hagfors. Man kann ja nicht wirklich damit rechnen, dass wir einen Fisch fangen.
Nach einem wettertechnisch durchwachsenen Tag ging es dann zum Sammelpunkt in Gunnerud. Hier bekamen wir die Ausrüstung, kauften eine Fiskekort und hörten eine Einleitung in die Bedienung des schwimmenden Kolosses. Es wird spannend, ob wir das alles mit den Knoten und Schlaufen morgen so hin bekommen. Immer wieder schauen alle gebannt auf mich, ob der Knoten so richtig ist aber es ist schon eine weile her, dass ich das letzte Mal mit meiner Family auf dem Klarälven geschippert bin und mein Kopf ist ein Sieb. Aber mit dem Seil in der Hand kommen tatsächlich Teile der Erinnerung wieder. „The one you go under is the one you go around“
Wird schon schief gehen.
Die Fahrräder werden zusammen mit einem Großteil des Gepäcks hier bleiben. Alles was Radklamotte ist bleibt hier und auch ist es nicht mehr ganz so kalt in diesen Breitengraden wie oben am Nordkapp. Irgendwie versuche ich aber die beim Radfahrern antrainierte Ordnung in den Taschen bei zu behalten. Alles hat seinen Platz und lange Suchen nervt hart und führt im schlimmsten Falle zu nasser Kleidung. Das habe ich auf dieser Tour gelernt und will das versuchen hier durch zu setzen. Das ist gar nicht so einfach bei so viel essen und Ausrüstung
Also spannen wir Daniels riesen Plane zwischen 2 Moorpappeln (die pietsche Bezeichnung für Birke) und breiten alles auf einer 2ten Plane aus. Was ein Chaos.
Eine Tasche nur für Kocher und Geschirr und die Lebensmittel sind auf 2 große Holzkisten verteilt und best möglich sortiert. Basics wie Kartoffeln, Nudeln und Couscous in eine Ecke, Gemüse in eine endete. Am wichtigsten ist aber eigentlich nur, dass alle Süßigkeiten auf einem Haufen sind und der Kaffee griffbereit. Wir sind alle ganz gespannt, wie es wird morgen am Bauplatz. Um 7:30 bringt uns ein Bus 50km flussaufwärts und das Abenteuer beginnt.
Und wenn alles nichts hilft habe ich einen Spruch von den frühen Flosstouren noch im Kopf:
„Sinkt die Stimmung? Hinsetzen, Essen.“
Das hat bisher jede Situation ins gute gedreht.
One Comment on “Tag 2 -59”
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Oooohhhhhhhh!
Ich beneide Euch.
Lang lang ist´s her…
Eigentlich könntest Du ja, Simeon, den Instructor vor Ort machen. Hast ja schließlich schon 3 x Erfahrung beim Floßbau…
Jetzt seid Ihr sicher schon ein paar Tage unterwegs und genießt die Ruhe oder Ihr habt Zuwachs bekommen von ein paar Dänen, dänen ( 😉 ) man Navigation wirklich nicht zutrauen kann und deren Restsektion Ihr zur Rettung an Euer Monsterfloß angebammelt habt…
Na dann, immer eine Handbreit Wasser unterm tiefsten Holz und genießt die Zeit!
Old Dad