Zum greifen nahe – 37
Ich liege im Zelt und der Regen trommelt auf die Kuppel meines kleinen Zimmers. Über mir sind 60cm Wäscheleine gespannt und die Socken und Handschuhe wackeln leicht umher. Die nassen Schuhe stehen im Vorzelt und trocknen.
Dabei begann alles so gut. Das rauschen des Wassers liegt mir noch in den Ohren. Der leichte Wind aus Süden und das Kribbeln der Sonne im Gesicht.
Es ging ganz beschwingt los heute morgen. Der Kaffee war super und die Wäsche, welche am Vortag gewaschen wurde war trocken. Wir waren hoch motiviert, da es ja nur noch 190km zum Dach Europas waren. Wir kamen gut und schnell voran und folgten den Fluss, an dem wir schliefen vorbei an kargen Landschaften und beinahe schon Wäldern. Immer wieder haben wir gehört, das die letzten 400 Kilometer zum Nordkap grauenvoll langweilig wären, dass hier nichts mehr sei. Also Supermärkte sind hier wirklich nur rar gesät aber die Landschaft ist irre! Alle 50km wechselt sie hier komplett! Von Wäldern zu kargen steppen. Ganze Rentierherden streifen hier oben umher und manchmal hört man über sich einen gigantischen Greifvogel kreisen. Langweilig wird es nicht!
50km lang lief alles gut. Wir kamen nach einer genialen Abfahrt aus dem Plateau am Meer an. Hier oben lebt der Großteil der Menschen vom Fisch. Sei es der Fang des selbigen oder dessen Verarbeitung. Überall kleine Boote und Fischerhütten. Während der Abfahrt konnten wir schon das Grau sehen. Der Himmel war konturlos grau am Horizont.
Und genau da führen wir rein.
Klitschnass kamen wir am ersten Tunnel unserer Tour an. 2950m lang ging es durch den Berg. Ganz aufgeregt warfen wir uns in unsere Warnwesten (sie hätten hier sogar welche zur Verfügung gestellt) und rasten durch den Tunnel. Das gute ist ja an so einem Tunnel, dass es darin nicht regnet. Wir mussten nur den Wassertropfen ausweichen, welche von der Decke kamen. Nach dem Tunnel zogen wir dann auch mal die Regenhosen an. Wir 2 Volldeppen hatte die irgendwie vergessen anzuziehen als der regen begann. Die Jacken hatten wir zum Glück vor der Abfahrt schon angezogen. Also mit nasser Hose rein in die Regenhose. Ein geniales Gefühl.
Die restlichen 40km des Tages verbrachten wir im Regen und noch 2 kurzen Tunnel. Die Suppe wurde nicht weniger und wir fanden uns in zwar wunderschönen, aber wenig zum zelten geeigneten Felsen wieder. Aber wir haben noch den Traktor vom Opa aus Deutschland gesehen. Der steht hier schon ein paar tage auf einem Rastplatz, weil er noch auf das Fernsehteam warten muss, welche ihn die letzten 100km begleiten. Die kommen aber in 2 tagen und dann kann es hoch gehen. Selbst bei den Norwegern ist er eine Attraktion.
Leider haben wir zu wenig tape mit um 2 Zelte und das Tarp auf die Steine zu kleben. wir fanden irgendwann einen Platz, der nicht morastig und nicht felsig war.
Unter den Augen der im trockenen, warmen sitzenden Wohnmobilbesitzer bauten wir Zelte und Tarp auf. Ich freue mich jedes mal, dass ich mich doch noch durchgedrungen habe es zu kaufen. Sonst wäre es hungrig ins Bett gegangen. So gab es nun ein paar leckere Spaghetti und einen heißen Kaffee in Begleitung von wildem getrommle des Regens. Es ist schön, wenn man im trockenen sitzen kann.
Morgen sind wir am Nordkap. Mal sehen, wie voll es sein wird an Sankt Hans und was es dort so an Souvenirs gibt.

